Chemotherapie
Ich erhielt auf Grund eines Keimzelltumors 3 Zyklen Chemotherapie nach dem PEB-Schema. Ich möchte hier schildern wie ihr euch auf diese PEB-Therapie vorbereiten könnt und was für Medikamente euch die Zeit erleichtern. Ich berichte hierbei natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen, dies muss sich nicht zwangsläufig mit den eueren decken.
Zu Beginn der Therapie bekommt ihr höchstwahrscheinlich einen ZVK gelegt um euere Venen zu schonen. Hierbei ist zu beachten, das ihr die Tage zuvor keine blutverdünnenden Mittel (Aspirin!) einnehmt, da sich dies sonst auf euere Gerinnung auswirkt.
Die ersten Tage waren bei mir relativ harmlos, da ich dank Zofran und anderer Mittel keinerlei Übelkeit verspürte. Das Rauchen musste ich aber nach und nach einstellen, denn nach kurzer Zeit bekam ich dadurch Schluckauf und danach starkes Sodbrennen, was sich nur mit Maloxan in den Griff bringen liess. Es kommen mit der Zeit bei vielen Nahrungsaversionen hinzu. Ich hatte spätestens am vierten Tag keinen Appetit mehr und as meistens nur noch süsse Dinge, da mir zum Beispiel dunkles Brot und Wurst völlig zuwider waren. Gebt einfach dem nach auf was ihr Lust habt. Ihr solltet auch aufpassen, das ihr keine harten Lebensmittel zu euch nehmt, da euere Schleimhäute immer empfindlicher werden. Ein aufgebackenes Baguette hat bei mir am siebten Tag dafür gesorgt, das abends mein ganzer Hals geschmerzt hat. Da euer Immunsystem durch die Zytostatika stark geschädigt wird, ist es auch absolut zu vermeiden sich körperlich zu überanstrengen. An dem oben genannten Tag mit den Halsschmerzen kam bei mir abends noch Fieber und starke Gliederschmerzen hinzu, dies liess sich aber mit einer 500er Paracetamol relativ schnell in den Griff bekommen.
Durch das geschwächte Immunsystem seid ihr auch anfällig für Pilze im Mundraum, ihr erkennt es am weissen Belag auf der Zunge und dem mehligen Geschmack. Dagegen hilft am Besten Biofanal. Nach mehrmaliger täglicher Anwendung sollte damit der Spuk nach spätestens zwei Tagen zu Ende sein. Je früher man den Pilz bemerkt, desto schneller wird man ihn damit auch wieder los.
Je mehr Zyklen man bekommt, desto schlechter erholt man sich von den Therapien. Nach dem ersten Zyklus fühlt man sich relativ schnell wieder fit, nach dem zweiten funktioniert das schon nicht mehr so gut. Deshalb nutzt die Pausen um euch möglichst vollständig zu erholen. Am Ende des dritten Zyklusses war ich ziemlich am Ende und brauchte ungefähr 21 Tage um wieder einigermassen gut drauf zu sein.
Ein grosses Problem bei mir war, das ich nachts irgendwann nicht mehr einschlafen konnte. Die Behandlung ist anstrengend und man verschläft die Tage immer mehr. Es gibt daher eigentlich nur die Möglichkeiten auf verschiedene Schlafmittel zurückzugreifen. Am Anfang setzte ich hierbei auf Zopiclon/Zolpidem/Stilnox, später dann auf Tavor 2,5. Letztere verursacht aber einen Hang-over-Effekt, was einen aber ab einem bestimmten Stadium nicht mehr stört, da man sowieso um die 20h am Tag schläft.
Des weiteren solltet Ihr euch während der Chemo nicht starker Sonnenstrahlung aussetzen, ebenso sind Stösse oder offene Wunden zu vermeiden, da diese nur sehr schlecht verheilen, beziehungsweise dunkle Hautflecken zurückbleiben. Bei mir bildeten sich weiterhin schmerzhafte Stellen (ähnlich Blasen bei einer Verbrennung) auf der Handinnenseite, die aber nach und nach wieder verschwanden. Die Haare fallen einem meist nach Ende des ersten Zyklusses aus, bei mir war es während des Zweiten.
Ihr solltet vor allen Dingen viel Trinken um das Gift wieder aus euerem Körper zu schwemmen. Unterstützend dazu ACE Präperate mit Selen + Zink zu euch nehmen. Abschliessend kann ich nur eines sagen: Versucht euch mit der Behandlung anzufreunden, denn sie ist euer Garant für die Zukunft. Psychische Tiefpunkte sind normal und sollten durch euere Angehörigen und Freunde abgefedert werden. Setzt euch einen Punkt in der Zukunft auf den ihr euch freuen könnt, da ihr dann die Behandlung hinter euch habt. Er wird schneller da sein als ihr denkt! Kopf hoch und alles Gute!
Bei Fragen kontaktiert mich via eMail: seb[at]evoseven.net oder hinterlasst mir hier einen Kommentar.
Update 18.05.2007:
Die ersten zwei Kontrolluntersuchungen blieben unauffällig. Ich habe seit der Diagnose fast 20kg zugenommen. Dies soll sich die nächste Zeit wieder ändern. Des weiteren merke ich immer noch hin und wieder Nerven- und Sensibilitätsstörungen. Der Bartwuchs war zwischenzeitlich kräftig und ging Anfang des Jahres stark zurück. Nun wird es langsam wieder mehr. Besonders die Koteletten sind immer noch recht dünn.














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